Sich selbst finden…

Geht es beim Werden nicht immer darum, jemand anderes zu werden? Was wird aus jemandem, der sich nicht auf den Weg zu seinem wahren Selbst macht? Wir müssen ständig die Kluft zwischen dem, was wir sind, und dem, was wir zu sein glauben, überbrücken. Was kann jemand verkörpern, der nicht weiß, wer er ist? Ein Wrack, ein ewiges Treiben, ein Schiffbruch? Solch ein Mensch kann in alle Formen der Unterwerfung versinken, insbesondere im Willen zur Macht; nichts kann ihn zügeln, besänftigen oder beherrschen. Dieselbe Strenge ist hier gefragt wie beim Schreiben: Stil und Inhalt so eng wie möglich zu vereinen. Eins zu werden, eins zu sein. Die Metamorphose zu bewirken und zu vollenden, um sich selbst zu transzendieren, man selbst zu sein. Anders als heutzutage oft behauptet oder geglaubt wird, ist die ständige Begegnung mit dem Anderen – auch Métissage, Créolité oder wie auch immer der nächste Trendbegriff lauten mag – nichts weiter als ein Vorwand, ein hysterisches Zappen, ein Versuch, einen flüchtigen Blick auf sich selbst zu erhaschen, sich selbst nur flüchtig zu erkennen und diese Vision hinter einer undankbaren, kraftlosen und vergesslichen Fassade zu verbergen. Hier regt sich weiterhin die Agitation ( die sich, wie so oft, mit dem heimtückischsten Liberalismus verbündet), bestrebt, neue Bedürfnisse zu schaffen und diese endlos zu erneuern, um beispiellose und endlose Unzufriedenheit zu erzeugen und uns in die ewige und erschöpfende Suche nach dem Phantom unserer selbst zu zwingen.


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