Autorität hat zusammen mit Demut ihre Würde verloren. Sie ist gleichbedeutend geworden mit unerbittlicher Ordnung, gedankenloser Gewalt und Tyrannei. Welch ein Wertewandel! Dabei verhinderte Autorität laut Antigone gerade die Tyrannei! Die moderne Welt hat diesen Eindruck von Autorität, weil sie von Menschen, die sie missbraucht haben, mit Füßen getreten wurde; dabei dient man der Autorität. Aber hat die Autorität durch diese verheerenden Erfahrungen Schaden genommen? Ein Wert kann nicht von einem Menschen beschädigt werden. Treue entfaltet sich über Petrus hinaus, ohne dass er dazu fähig wäre. Treue entfaltet sich über Verrat hinaus, weil sie ihn einschließt. Treue bestätigt sich im Verrat. Verrat trägt in sich keine andere Bedeutung als seine eigene Befriedigung. Jeder Wert spricht auch von der Unentschlossenheit und Unsicherheit im Menschen. Jeder Wert ist ein Beschützer und eine Zuflucht. Wir müssen uns nicht entscheiden; der Wert passt sich unserer Schwäche an, da er unseren Unsicherheiten vorausgeht. Die moderne Welt verwechselt Autorität und Macht und lässt sie dieselben Wunden und dasselbe Leid tragen. Gott musste aus allem verbannt werden. Weder die Alten noch die Modernen würden es verstehen, aber das spielte keine Rolle mehr; sie waren nun bedeutungslos. Wenn Gott niemals gegangen wäre, hätte er getötet werden müssen. Das 20. Jahrhundert erklärte sich selbst zur Zeit des Todes Gottes. Es wird lediglich den Tod seiner Idee gebracht haben. Vor allem aber wird es eine neue Anthropologie geschaffen haben, die auf Selbstmord basiert.
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