Buchbesprechungen über Japan

Ich habe gerade „Die Maske des Samurai“, einen Essay von Aude Fieschi (Philippe Picquier Verlag), beendet. Es ist ein lehrreiches und gut geschriebenes Buch, das die verschiedenen Facetten des Samurai im japanischen Mittelalter bis zu seinem Niedergang mit dem Beginn des modernen Japans darstellt.
Das Werk zeichnet die großen Epochen dieses mythischen Kriegers sehr gut nach, stellt gewisse vergessene Wahrheiten wieder her und vergisst dabei nicht, etablierte Fakten zu widerlegen, die einer Kneipendiskussion würdig sind. Es untersucht die wesentlichen Merkmale dessen, was die Identität des Samurai ausmachte.
Aude Fieschi stützt sich auf grundlegende Texte (wir vergessen zunehmend die offensichtliche Bedeutung, mit grundlegenden Texten zu beginnen oder zu ihnen zurückzukehren, weil wir glauben, jederzeit alles erfinden zu können). Yamamoto Jōchōs „Hagakure“ oder, in jüngerer Zeit, Nitobe Inazos „Bushido: Die Seele Japans“, um nur diese beiden Werke zu nennen, bilden das Fundament von Aude Fieschis umfassendem Wissen. Ein umfassendes Wissen, das sie in einfacher und verständlicher Sprache vermittelt. Ein wohlverstandener Wissensschatz, der sich nicht mit seinem eigenen Stil brüstet.
Aude Fieschi widmet dem Samurai-Ethos und seinen zahlreichen religiösen Einflüssen (Buddhismus, Shintoismus und Konfuzianismus, ganz zu schweigen von den christlichen Samurai!) besonders gut dokumentierte und aufschlussreiche Seiten. Man könnte der Autorin vorwerfen, dass sie dem Christentum gegenüber wenig Begeisterung zeigt, das sie nur streift, wenn sie über die Jesuiten und die von ihnen „mitgebrachten“ Feuerwaffen spricht. Es ist bekannt, dass der heilige Franz Xaver an Bord eines Kriegsschiffs in Japan ankam. Hier herrscht ein Missverständnis – beinahe ein japanisches –, nämlich die Annahme, der Klerus sei die Vorhut einer europäischen Invasion gewesen. Später erwähnt sie zwar die Bedeutung des Christentums, geht aber nicht viel weiter als auf Shusaku Endos Meisterwerk „Das Schweigen“ ein. Kurz gesagt: Die zum Christentum konvertierten Samurai reisten unerkannt durch (siehe dazu das hervorragende Buch „Der Weg des christlichen Samurai“ von Tom Novak).
Es wird klar sein, dass „Die Maske des Samurai“ ein sehr gutes Buch ist, sehr präzise und lehrreich (dies sollte nicht immer als etwas Negatives verstanden werden).
Ich habe soeben ein Buch erhalten, das ich mir schon sehr lange gewünscht habe:
Historischer Atlas von Kyoto: Räumliche Analyse der Gedächtnissysteme, Architektur und Stadtlandschaft einer Stadt (Les Editions de l'Amateur)
Dieses Buch, eine wahre Bibel Kyotos, ist wie ein Gefäß, in das man sich begibt. Es wiegt über zehn Kilogramm und ist randvoll mit Illustrationen, historischen Fotografien und wissenschaftlichen Texten über das Leben in Kyoto im Laufe der Jahrhunderte. Eine Odyssee.

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